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11. Mai 2012 über 09:55

Straßenbeleuchtung nur für Reiche

Wegen knapper Kassen geht die brandenburgische 800 Seelen-Gemeinde Obergleinwitz neue Wege bei der Finanzierung der Straßenbeleuchtung. Helle Straßen gibt es nur noch bei Vorkasse.Straßenlicht gegen bares
Die neue Gebührenverordnung sieht vor, dass für die Nutzung der Straßenbeleuchtung 1,20€ je Kilometer und angefangene halbe Stunde zu zahlen sind. Somit will man sich für die Zukunft rüsten und die knappe Gemeindekasse entlasten.
Trotz heftiger Proteste der Einwohner bleibt Bürgermeister Ottfried Vacherfell hart und erklärt stolz: „Wir haben es geschafft, die Energiekosten für die Straßenbeleuchtung komplett über Gebühren zu finanzieren, so dass am Ende des Jahres sogar noch Geld für die Wartung übrig bleibt. Außerdem brauche ja nur der etwas bezahlen, wer abends noch unterwegs ist und mit dem Mondlicht nicht auskommt.“
Besonders makaber: Eine zweite Verordnung sieht vor, dass die Nutzung von Leuchtmittel aller Art, welche nicht laut Straßenverkehrsordnung notwendig sind (wie z.B. Taschenlampen) in der Zeit von 18 bis 8 Uhr verboten sind. Wer trotzdem mit Lampen erwischt wird, zahlt ein Bußgeld von 100€, und für Wiederholungstäter kann es sogar noch mehr werden.
Und kontrolliert wird täglich: 3 Bedienstete einer Sicherheitsfirma arbeiten im Schichtbetrieb. „Somit konnten wir sogar noch Arbeitsplätze schaffen!“, für Bürgermeister Vacherfell stolz hinzu.
Bezahlt wird per Handy Bargeld oder EC-Karte. Alle 50 Meter befindet sich ein sogenannter Lichtzahl-Automat, an dem man den nächsten Streckenabschnitt buchen kann. Ohne Telefon oder Geldbörse bleibt es zappenduster.

Die Bürger von Obergleinwitz sind äußerst aufgebracht. Anneliese Neuberg schimpft: „Jeden morgen muss ich morgens um halb fünf 2 Kilometer zum Bahnhof laufen. Tag für Tag sind das 2,40€! Und die Kinder müssen zur Schule. Das kann doch keiner mehr bezahlen. Wenn diese Abzocke nicht aufhört, dann werden wir wohl in eine anderen Ort umziehen müssen.

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